>>Wenn wir nur im Ansatz verstehen, wie unsere Seele funktioniert, und wenn wir über ein paar Anhaltspunkte verfügen, wie ein gesunder Umgang mit unseren Emotionen aussehen kann, machen wir uns nicht nur resilienter, sondern können uns entfalten und mit der Zeit an uns wachsen.<< [Dr. Julie Smith; Aufstehen oder liegen bleiben? – Tools für deine mentale Stärke; 5. Auflage 2023]
>>Wie man Psychologie verstehen kann:
Ebbinghaus (1919; zit. Nach Laucken, Schick & Höge 1996, S. 8 ) definiert Psychologie vom Erleben her: „Die Psychologie ist die Wissenschaft von den Inhalten und Vorgängen des geistigen Lebens oder, wie man sagt, >Die Wissenschaft von den Bewusstseinszuständen und den Bewusstseinsvorgängen<. (…) Wir haben Empfindungen von Farben, Tönen oder Temperaturen, haben Gedanken, Erinnerungen und Phantasiebilder, Erkenntnisse, Zweifel und Irrtümer, Gefühle der Lust und Unlust, Stimmungen wie Verdrießlichkeit und Heiterkeit und Affekte, wie Furcht und Zorn, dazu Begehrungen, Wünsche, Vorsätze, Ideale usw. Wir erleben ferner an diesen Gebilden ein unablässiges Kommen und Gehen, ein Hervortreten und Zurücktreten, wechselseitige Störungen und Förderungen. Mit alledem befasst sich die Psychologie. (…) Die Psychologie hat es, wenn man dies kurz ausdrückt, mit den Gegenständen der Innenwelt zu tun, im Gegensatz zur Physik im weitesten Sinne als der Wissenschaft von den Gegenständen der räumlichen und materiellen Außenwelt.“
Ruch & Zimbardo (1975) der angloamerikanischen Tradition des Behaviorismus folgend (s. S. 182 ff.), stellten in ihrem Standardwerk der Psychologie (>Psychology an Life<) das Verhalten in den Vordergrund: „Psychologie ist die Wissenschaft vom Verhalten der Lebewesen“.
Zimbardo & Gerrig (2008, S. 2) berücksichtigen mehr als 30 Jahre später sowohl Erleben als auch Verhalten in ihrer Gegenstandsbestimmung. Sie definieren Psychologie „formal als die wissenschaftliche Untersuchung des Verhaltens von Individuen und ihren mentalen Prozessen“.
Ulrich & Bösel (2005, S. 42) verstehen Psychologie als eine „Einrichtung“: „Die Psychologie ist eine Einrichtung zur systematischen und kontrollierten Gewinnung, Vermittlung und Anwendung von Kenntnissen über Erlebnis- und Verhaltensweisen, psychischen Vorgänge und Zustände, deren Zusammenhänge, Bedingungen und Folgen, sowie (eine Einrichtung) zur Entwicklung und Anwendung von Verfahren zur Erfassung und Veränderung der genannten Verfahren.“<<
[Hans-Peter Nolting, Peter Paulus; Psychologie lernen – Eine Einführung und Anleitung; 2020]
Folgende Ausführungen haben mich schwer beeindruckt. Eine scharfsinnige Analyse des Status quo: >>Die Party ist vorbei!<< – >>Wir laufen in schwierige Zeiten hinein!<< – >>Es wird alles immer noch stressiger!<< Aussagen wie diese hört man in der letzten Zeit immer mehr, häufig gefolgt von einem Stoßseufzer, und der ist schon ein kleiner Versuch von physiologischer Stressregulation. Für viele Menschen hat es scheinbar zunehmend den Anschein, als würden wir in einer Dauerkrise hineinrutschen, anstatt nur mit etlichen ungelösten globalen Problembereichen wie Klima und Umwelt, Gesundheit und Epidemien, aber auch Bevölkerungsentwicklung, Bildung, Wirtschaft, Finanzen, Gerechtigkeit, Armut, Migration sowie disruptiven Informations- und Biotechnologien konfrontiert zu werden. Die Wahrnehmung einer großen, komplexen Krise der Menschheit ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen, und die Herausforderungen sind in den Augen vieler Menschen schwindelerregend. Wohl deswegen hat der UN-Generalsekretär Antonio Guterres (*1949) am 21. September 2021 zu Beginn der 76. Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York mit drastischen Worten an die Staatengemeinschaft appelliert: >>Ich bin hier, um Alarm zu schlagen: Die Welt muss aufwachen.<< Guterres begann seine Rede mit: >>Wir stehen am Rande des Abgrunds und bewegen uns in die falsche Richtung. Unsere Welt war noch nie in größerer Gefahr und noch nie gespaltener. Wir stehen vor der größten Kaskade von Krisen unserer Lebenszeit.<< Das ist ohne Zweifel eine treffende Beschreibung des Status quo. Jedes wahrgenommene Problem ist aber auch immer direkte oder indirekte Folge des wahrnehmenden Bewusstseins oder, um es hipper zu sagen, des Mindsets. Denn die damit unmittelbar verbundenen Einstellungs-, Bedürfnis- und Wertelandkarten bestimmen unser Menschen- und Weltbild, und unsere gegenwärtige Denkweise basiert eben auf der fundamentalen Idee von positivem Wachstum. Diese Erkenntnis ist nicht neu, denn der Club of Rome hat bereits in meinem Geburtsjahr 1972 in der Studie Die Grenzen des Wachstums auf der Grundlage wissenschaftlich fundierter Prognosen vorausgesagt, dass es in naher Zukunft ohne dramatische Veränderungen in Einstellung und Verhalten schwierig für die Menschheit würde. Der Club of Rome ist ein im Jahr 1968 gegründeter Zusammenschluss namhafter Menschen mit unterschiedlicher Expertise, die sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit einsetzen. Das Argument ist so einfach wie schlagend: Wenn die planetaren Ressourcen begrenzt sind, kann deren Verwertung eben nicht unbegrenzt wachsen. Den auf einer Computersimulation beruhenden Bericht gab die Umweltwissenschaftlerin Donella Meadows (1941-2001) mit ihrem Ehemann, dem Ökonomen Dennis L. Meadows (*1942), zusammen mit anderen Experten heraus. Sie wurden damals von nicht wenigen Kritikern als Panikmacher und Untergangspropheten abgekanzelt. In der kritischen Würdigung des Exekutivkomitees lauten die abschließenden Worte des Berichts: >>Letztlich möchten wir nicht verzichten, darauf hinzuweisen, dass der Mensch sich selbst, seine Ziele und seine Wertevorstellungen ebenso erforschen muss wie die Welt, die er zu verändern sucht. Beides erfordert nicht endende Hingabe und Anstrengungen: Schließlich steht der Mensch nicht nur vor der Frage, ob er als biologische Spezies überleben wird, sondern ob er wird überleben können, ohne den Rückfall in eine Existenzform, die nicht lebenswert erscheint (Meadows 1972, S. 176)<<. Eine weise, aber auch nachdenklich machende Schlussbemerkung, ohne Frage! 50 Jahre später lesen wir die mahnenden Worte anders, Mitten in einer weltweiten Pandemie, mit einer globalen Klimakatastrophe, einem Krieg in der Ukraine, und vielen ungelösten gesellschaftlichen Fragen und Konflikten vor Augen, wissen wir, dass die damaligen Autoren nicht nur völlig zu Recht gewarnt haben, sondern dass sie in ihren Prognosen scheinbar bei einigen Aspekten leider noch zu optimistisch waren<<. [Prof. Dr. Niko Kohls; Mehr Lebensfreude durch Achtsamkeit und Resilienz; 1. Auflage 2022]
>>Owen Gingerich, Astronom in Havard, beschreibt das menschliche Gehirn als „bei weitem das komplexeste uns bekannte physische Gebilde des gesamten Kosmos“ (Gingerich 2006, S. 29). In der Größenordnung des Weltalls sind wir weniger als ein einzelnes Sandkorn an den Stränden aller Ozeane und unsere Lebenszeit entspricht lediglich einer Nanosekunde. Dennoch gibt es nichts Beeindruckenderes und Faszinierendes als unsere eigene innere Welt. Unser Bewusstsein – unser Verstand, der irgendwie aus Materie hervorgeht – bleibt ein tiefgreifendes Geheimnis. Unser Denken, unsere Emotionen und Handlungen (und ihre Wechselwirkung mit Gedanken, Gefühlen und Handlungen anderer) faszinieren uns. Das Weltall mit seinem ungeheuerlichen Ausmaß verschlägt uns den Atem. Unsere innere Welt dagegen bezaubert uns.<< [Myers, DeWall; Psychologie; 4. Auflage 2018]
>>Solange ein Mensch lebt, atmet er. Am Erlöschen der Atmung erkennt man: Der Mensch ist tot. Auf dieser Erfahrung beruht die Erklärung: Es ist der Atem, welcher dem Menschen Leben verleiht. Der Atem ist ein flüchtiges Gebilde, anders als der Körper, der aus festem Gewebe und Flüssigkeit besteht. Schriften aus dem antiken Griechenland bezeichnen dieses flüchtige Gebilde als „Psyche“. Spätere lateinische Schriften nennen es „Anima“ und „Spiritus“. Diese beiden Bezeichnungen besitzen zunächst dieselbe konkrete Bedeutung wie „Psyche“: „Hauch“ oder „Atem“.
Der französische Philosoph Henri Bergson (1993) – zu Beginn des 20. Jahrhunderts außerordentlich populär und 1927 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet – forderte die Annahme eines Lebensdranges (franz. élan vital). Die Aktivität und den Ordnungssinn, die vordem der Seele zugedacht waren, schrieb Bergson nunmehr dem Lebensdrang zu: Menschen, Tiere und Pflanzen, ja die gesamte Natur sollte er antreiben. Er sollte Wachstum und Fortentwicklung leiten – und zwar sowohl bei Individuen als auch bei Gattungen von Lebewesen. Der Begriff des Lebensdrangs bezeichnet damit eine Urkraft, welche die Welt über die Zeit stets auf Neue schöpferisch gestaltet. Lebensdrang wurde von Bergson als Naturkraft verstanden; insofern ist der Begriff – anders als der Begriff der unstofflichen Seele – nicht mehr Teil eines Jenseitsglaubens.<< [Wolfgang Schönpflug; Einführung in die Psychologie; 1. Auflage 2006]