Psychosen und Selbstverständlichkeit

>>In einer Psychose steht unsere Selbstverständlichkeit sehr grundlegend infrage; das Dasein bekommt eine andere Bedeutung, eine andere Konnotation. Das birgt das Risiko tiefer und nachhaltiger Verunsicherung, aber auch die Chance einer neuen Sicht auf uns und die Welt. Alle Beteiligten werden in und durch Psychosen mit zutiefst menschlichen und uns alle im Kern berührenden Themen konfrontiert. Wolfgang Blankenburg spricht von >>Alienation<< als eine Prozess des Sich-fremd-Werdens, der nicht anders als mit Bezug auf die lebensweltliche Erfahrung verstanden werden kann. Die zentrale Frage lautet: >>Wie konstituiert sich für ihn (den Patienten) eine besondere Lebenswelt, die sein Erfahren, Erleben, Handeln und Sichdarleben prägt?<< (BLANKENBURG 2012, S. 35). Blankenburg unterscheidet in diesem Zusammenhang die Alienation interaktionell: >>Unsere Befremdung und seine Entfremdung stehen sich gegenüber und verweisen doch zugleich aufeinander<< (ebd.).

Dorothea Buck (BUCK-ZERCHIN 2005, BUCK 2013[…]) spricht von der tiefen Begegnung mit sich selbst, der Konfrontation mit unbewussten Geschehnissen, die im positiven Sinne eine große Bedeutung bekommen kann – vorausgesetzt, die Auseinandersetzung gelingt konstruktiv.<< [Thomas Bock, Andreas Heinz; Psychosen – Ringen um Selbstverständlichkeit; 1. Auflage 2016]