>>Der Begriff der Persönlichkeit, [ist der Begriff,] der auch in der Moderne die Idee einer ganzheitlichen Ordnung des Menschen weiter vermitteln soll. So definiert der amerikanische Psychologe Gordon W. Allport (1949, S. 49) Persönlichkeit als „die dynamische Organisation der … psychophysischen Systeme im Individuum“. Zu beachten ist hier der Zusatz „dynamisch“. Allport betont damit die Wandelbarkeit der Persönlichkeit, insbesondere ihre Fähigkeit und ihren Drang zu Wachstum und Vervollkommnung. Bei allem Wandel bleibt sie sich jedoch treu. Sie entfaltet, was in ihr selbst bereits enthalten ist – wie aus einem Keim. Das Werden der Persönlichkeit stellt somit eine Selbstverwirklichung dar.
Die Definition des Begriffs „Persönlichkeit“ bei Allport lautet vollständig: „Persönlichkeit ist die dynamische Ordnung derjenigen psychophysischen Systeme im Individuum, die seine einzigartigen Anpassungen an seine Umwelt bestimmen.“ Der Autor bekennt sich damit zur Einzigartigkeit jedes Individuums. Diese erwächst aus der Auseinandersetzung mit der Umwelt. Allport (1949, S. 51) stellt dazu klar: Er meint nicht eine passive Anpassung unter dem Druck der Umwelt, die es im Übrigen auch geben mag. Die Persönlickeit formt sich vielmehr durch das „Meistern“ von Problemen, durch „gewolltes, schöpferisches Verhalten“ […].
Auch Zielstrebigkeit ist zu den Eigenschaften der Persönlichkeit gerechnet worden. William Stern, der an der Universität Hamburg gelehrt hat, nannte Zielstrebigkeit das zentrale Merkmal der Persönlichkeit. Er hat Persönlichkeit definiert als „… ein solches Existierendes, das, trotz der Vielheit der Teile, eine reale, eigenartige und eigenwertige Einheit bildet, und als solche, trotz der Vielheit der Teilfunktionen, eine einheitliche zielstrebige Selbsttätigkeit vollbringt“ (Stern, 1923, S. 162). Die Zielstrebigkeit hat ihren Ursprung in der Person selbst; sie dient der Selbsterhaltung und der Selbstgestaltung. Sie schafft Einheit in der Vielfalt von Fähigkeiten und Interessen. Durch die Eigenständigkeit ihres Strebens wird die Person einzigartig; sie gewinnt Individualität. [Wolfgang Schönpflug; Einführung in die Psychologie; 1. Auflage 2006]