>>Bevor wir Verhalten erklären, ändern oder voraussagen können, müssen wir erst einmal in der Lage sein es zu beschreiben und zu messen. Ein Großteil der Arbeit eines Psychologen besteht nun genau darin, Verhalten zu messen und zu beschreiben. Alle psychologischen Begriffe und Prozesse […] – Angst, Lernen, Einstellungen, geistige Fähigkeiten, Depression und weitere – müssen gemessen werden. Ein Hauptziel ist somit, Tests oder Techniken zum Messen zu entwickeln.
Jedes Mittel zum Messen muß zwei Eigenschaften aufweisen: zuerst muss es reliabel oder zuverlässig sein, d.h. das Meßergebnis einer Person darf sich nicht durch wiederholtes Testen verändern. Eine Personenwaage, die jedes Mal, wenn Sie sie benutzen, ein unterschiedliches Gewicht anzeigen würde, wäre unzulässig und aus diesem Grund nicht zu gebrauchen. Ebenso wäre ein Intelligenztest wertlos, der jedes Mal, wenn sie damit untersucht werden, ein anderes Ergebnis zeigt.
Jedoch genügt Reliabilität oder Zuverlässigkeit allein nicht. Ein Test muß auch valide oder gültig sein, d.h. Er muß das messen, war er messen soll. Wenn wir Ihren IQ messen würden, indem wir ein Maßband um Ihre Stirn legten, könnten wir jedesmal zum selben Ergebnis kommen (unsere Messung wäre also zuverlässig), aber diese Meßtechnik hätte wenig mit Intelligenz zu tun.
Die Fragen von Zuverlässigkeit und Gültigkeit beim Messen und Beschreiben berühren alle Techniken, die Psychologen entwickelt haben, um Verhalten zu erfassen. [Bourne, Ekstrand; Einführung in die Psychologie; 5. Auflage 2008]