Carl Gustav Jung: Ich und Selbst

>>Jung (1974) bezeichnet als „Ich“ das Bewusstseinszentrum des Menschen. Darin sammeln sich alle seine persönlichen Erfahrungen. Der Mensch erlebt sich dabei jeweils als beständiger Mittelpunkt wechselnden Geschehens. Jung hält die Herausbildung von Identität für eine grundlegende Leistung, die nicht allein aus Bewusstsein zu erbringen ist. Deshalb führt er – über das Ich hinaus, das ja dem Bewusstsein verhaftet ist – eine weitere Instanz ein, für die er seinerseits die Bezeichnung „Selbst“ wählt. Das Selbst ist nach Jung (1976, S. 59) das „Zentrum der Totalität“, indem es Unbewusstes und Bewusstes zugleich umfasst. Den Begriff des Selbst kennzeichnet Jung (1976, S. 32) als „bestimmt genug, einen Inbegriff menschlicher Ganzheit zu vermitteln, andererseits unbestimmt genug, um die Unbeschreiblichkeit und Unbestimmbarkeit der Ganzheit auszudrücken.“ Jung legt damit eine tiefenpsychologische Deutung der Begriffe „Ich“ und „Selbst“ vor.<< [Wolfgang Schönpflug; Einführung in die Psychologie; 1. Auflage 2006]