Prosopagnosie


>>Es ist nicht weiter verwunderlich, dass es sich auf das Verhalten auswirkt, wenn jemand eine Hirnschädigung erleidet. Was dabei überrascht, ist jedoch, dass sich die Schädigung eines bestimmten Teils des Gehirns nur auf einen bestimmten Aspekt des Verhaltens auswirken kann und auf andere Verhaltensbereiche nicht. Beispielsweise gibt es Fälle, in denen jemand als Folge der Schädigung einer bestimmten Region der rechten Hirnhemisphäre vertraute Gesichter nicht mehr erkennen kann – wobei praktisch alle anderen Leistungen weiterhin normal funktionieren. Dieses Störungsbild heißt Prosopagnosie. Ein bekannt gewordenes Beispiel hat der Psychiater Oliver Sacks (1990) in seinem Buch Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselt beschrieben. In einem anderen Fall beschwerte sich ein Mann, der unter Prosopagnosie litt, bei einem Kellner, dass ihn jemand dauernd anstarren würde, um dann zu erfahren, dass er in einen Spiegel blickt! Derartige Fälle geben uns Aufschlüsse darüber, wie das Gehirn im Normalfall funktioniert. Sie lassen erkennen, dass psychische Funktionen – wie das Erkennen von Gesichtern – in bestimmten Teilen des Gehirns lokalisiert sind. [Atkinson und Hilgard; Einführung in die Psychologie; 14. Auflage 2007]